Der weiße Dampfer

Nach der gleichnamigen Novelle von Tschingis Aitmatov

Im besagten Jahr wurde der Junge sieben. Er besaß 2 Märchen. Eines gehörte ihm allein, er teilte es mit niemandem. Das zweite, das hatte ihm sein Großvater erzählt. Irgendwann hatte er beide verloren. Und darum geht es hier.

Der Schauplatz: Eine kleine Försterei im Naturreservat der kirgisischen Wälder. Das Leben der wenigen Bewohner ist geprägt von Mittellosigkeit und Armut, und der Alltag ist hart und entbehrungsreich. Dort wächst der Junge auf, einsam, ohne Geschwister oder Freunde und von den Eltern im Stich gelassen. Vom Rest der Familie wenig beachtet, macht ihm vor allem die Lieblosigkeit seiner Stiefgroßmutter und die seines Onkels zu schaffen. Nur der rührige und von allen Seiten belächelte Großvater, liebt und umhegt seinen Enkel. Von ihm erfährt er die alten Mythen und Legenden ihres Volkes, die ihn stark bewegen. Trotz Einsamkeit und Schmerzen lebt er in Harmonie mit den einfachen Dingen. Die raue Wildnis der Natur ist für ihn Spielplatz und Spielgefährte zugleich. Hierher zieht er sich zurück und erschafft sich seine eigene Märchenwelt. Am liebsten erklimmt er den Karaul-Berg, von dem aus er mit dem alten Fernglas seines Großvaters einen herrlichen Blick hat auf den in der Ferne liegenden Issyk Kul-See. Dort wartet er oft stundenlang auf den weißen Dampfer. Einer der Matrosen musste sein Vater sein. Wie gerne würde er sich in einen Fisch verwandeln, um zum weißen Dampfer zu gelangen...

Großvater Momun und sein geliebter Enkel gehören zu den faszinierendsten Paaren der Weltliteratur. Uralte Natur-Mythen und eine innig-unpathetische Liebe zwischen diesen beiden verbinden sich hier zur poetischen Auseinandersetzung mit Natur und Zivilisation, mit Tradition und Fortschritt.

In einer zunehmenden Verrohung weiter Teile unserer Gesellschaft ist diese Geschichte zudem eine eindrückliche Erinnerung an die Empfindsamkeit von Kinderseelen. Und sie ist eine Widmung an alle belächelten, gutmütigen und einfältigen Trottel dieser Welt, die man heutzutage Gutmenschen nennt, und die, allen Demütigungen zum Trotz, die Welt mehr am Leben halten als ihre berechnend klugen Lenker und Geschäftemacher.

Idee & Inszenierung: Martin Seeger
Premiere: 24. November 2018
Vorstellungen 30.11./1.12./7.12./15.12.

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